Kritik zu „Echt arm“ – Kieler Nachrichten, 3.10.2015


Kiel
. Ganz schön dicke Luft auf der Bühne. Pamela, die wütend herandampft wie eine alte Lok, blitzende Blicke schleudert und garstige Worte. Und Johnny, der sich einlässt auf ihre Provokationen und gnadenlos kontert. „Müllfresse“ gegen „Müllklamotten“. Eins haben die beiden 12-Jährigen aber doch gemeinsam: Sie sind arm dran. Der einen fehlt die Aufmerksamkeit der Eltern, dem anderen das Geld für ein Outfit, mit dem man auf dem Schulhof nicht gleich in Grund und Boden gedisst wird.
Echt arm heißt auch das Stück, das Autorin Anne Clausen und Regisseurin Anne Spaeter für das Theater im Werftpark erarbeitet haben und in der Uraufführung vielschichtig auf die Bühne bringen. Der Streit von Pamela und Johnny ist da nur der Prolog zu einer Spurensuche in Sachen Armut von emotionalem Defizit bis zu materieller Not. Und Petre, der Schulgärtner, hat seine eigene Geschichte beizutragen. Der kommt aus Siebenbürgen, ist mit Dracula per Du (sagt er jedenfalls) – und er weiß, was Armut wirklich ist.
Klingt kompliziert? Ist es auch, schließlich kommt da ganz schön viel Stoff zusammen: ein relativer, schwer fassbarer Begriff, abwesende Eltern, eine klammernd depressive Mutter, rumänische Straßenkinder und dazu der ganze Schlamassel, den die Pubertät in den jugendlichen Protagonisten anrichtet.
Sieht dann aber viel weniger kompliziert aus. Denn der Text legt den Finger lieber mit frechem Witz als mit Pathos in die Wunden. Und Regisseurin Anne Spaeter zaubert daraus ohne zu verharmlosen mit allen Mitteln des Theaters von Pantomime und Folklore- Schnipseln bis Schattenspiel und Musik (Dominik Dittrich) eine spritzig poetische Mischung aus Grips-Lehrstück, Märchen und Wundertüte auf die Bühne. (...) Dazu gehört auch das sichtlich spiellustige Ensemble. Johanna Kröner, deren wunderbar aufsässige Pamela nur so vibriert – vor Wut, Trauer und Aktionismus. Julius Ohlemann, der seinen Johnny still in sich selbst verschließt - zum Rappen aber immer ein bisschen rauslässt. Und dazwischen ist Horst Stenzel ein schalkig schwereloser Petre, ein Wortspieler und Zauberer und ein bisschen wie nicht ganz von dieser Welt.
Sibylle Meier hat dem Trio mit Blumenkästen und Grünzeug einen Steingarten eingerichtet, der als Therapieraum und Spielplatz zugleich funktioniert. Und für Petres Rückblicke öffnet die Bühnenbildnerin in der Rückwand eine riesige Blende auf ein in allen Buntstiftfarben leuchtendes Nichts – Abenteuerland für Fenja Schneider (auch Johnnys Mutter) und Dirk Stierand, die als Liane und der junge Petre tanzend und tobend Kindertraum spielen – in den, bevor es zu harmlos wird, immer wieder die Realität der Straßenkinder einbricht, in Form von Hunger oder der rumänischen „Gehirnpolizei“.
Und während sich die Geschichte von Liane und Petre verdüstert, raufen sich Johnny und Pamela erst mal zusammen, bevor sie sich näherkommen. Denn Echt arm erzählt ja nicht nur von Armut, sondern ganz nebenbei auch von Wut, Kampfgeist und wie man erwachsen wird. Weiterdenken erwünscht.
von Ruth Bender


Pressestimmen zu Dirnenlied:


Überschrift: „Sie demaskiert die „gute“ Gesellschaft“

„Alle Achtung, wie Anne Clausen das hinkriegt: In ihrem neckischen Fransen-Hängerkleidchen erinnert sie an die Stummfilmstars der 20er Jahre –ein bisschen verrucht wie Asta Nielsen oder Louise Brooks, aber auch patent und lebenslustig wie Ossi Oswalda. Keine „feine Dame“, sondern der Typus des kessen und schnippischen „Berliner Girls“ mit frechem Mundwerk. Anne Clausen hat einen wunderbaren Schnodderton drauf. (...) Eine durchaus doppelbödige Krimi-Komödie (...) das Stück hat Witz und Anne Clausen ist bei diesem großen Monolog auch eine charmante und überzeugende Interpretin –sie hat sich diese Rolle im besten Sinne auf den eigenen Leib geschrieben. (...) Anne Clausens Heldin mit dem imposanten  Namen Karla von Stelzenbühl steht ganz auf der Sonnenseite des Lebens, besitzt einen tollen Mercedes, der Ehegatte ist ein Inflationsgewinnler. Dass der seinen Reichtum nicht allein dem Holzhandel verdankt, sondern vielmehr fleischlichen Dingen –daher der Titel „Dirnenlied“- stellt sich dann im Laufe des Bühnen-Krimis heraus, der die ‚gute’ und reaktionäre Gesellschaft ironisch demaskiert. Der Text ist angereichert mit vielen hübschen und unterhaltsamen Gags. (...)

Das Lockere, das Leichte, das Flapsige scheinen Clausen nicht nur bei der Texterfindung besonders gut zu liegen. Auch auf der Bühne mag sie es, mit dem Publikum zu spielen und es direkt anzusprechen. (...) Sie untermalt ihren Wortschwall mit lasziven Posen und versteht es geschickt, die Spannung zu halten. Es zahlt sich aus, dass Clausen auch Erfahrungen beim Kabarett gesammelt hat. Sie kann die Zuschauer zum Schmunzeln, zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen. Regie hat Jan-Hinnerk Arnke geführt, sehr behutsam, aber ganz auf die Bühnenwirksamkeit bedacht, so dass sich wirklich eine packende 20er-Jahre-Atmosphäre entfalten kann.“


Mittelbayerische Zeitung

Ulrich Kelber

Freitag, 3.September 2010




„Wer herrlich-lüsternes Theater erleben will, der ist im Turmtheater genau richtig. Am Donnerstagabend fand die Uraufführung der Krimi-Komödie „Dirnenlied“ statt (...). Die heiter bis wolkige Komödie glänzte durch bissig-frechen Berliner Humor, den Anne Clausen perfekt in Szene setzte – und dabei ganz schön viel Bein zeigte. Spontan wirkte das Stück von Anfang an. Und: Es langweilte nie. Das ist nicht gerade einfach, wenn nur eine Schauspielerin auf der Bühne steht, um das Publikum zu unterhalten. Doch Clausen mimte die kesse Karla so perfekt, sprach das breite Berlinerisch so frech, dass dem Publikum kaum Zeit blieb, die Interaktion mit anderen Schauspielern zu vermissen. Das war eine ‚One Woman-Show’, wie sie im Buche steht. (...)“


Wochenblatt


Christian Eckl

Mittwoch, 8.September 2010




Überschrift: „Elektrisiert von der eigenen Schlauheit

Die Schauspielerin Anne Clausen präsentiert ihre Dirnenkomödie im Hofer Kunstkaufhaus. Das Publikum rast.“


„Hof –Sie ist eine ganz schöne Plaudertasche, diese Karla von Stelzenbül. Mit ihrem neckischen schwarz-grauen Fransenkleidchen und dem blonden Lockenkopf macht sie eine gute Figur auf der kleinen Bühne im ausverkauften Hofer Kunstkaufhaus –und doch lässt sie von Anfang an keinen Zweifel daran: Eine Dame ist sie nicht. (...)

Da bleibt kein Auge trocken an diesem freizügig-kriminalistischen Abend, an dem im Geiste durch Berlin gefahren, in anrüchigen Etablissements verkehrt, mit einem „Ohio“ gegurgelt und „liebevoll“ Käthes Künstlerkollegen belehrt werden: „Koof dir mal ne Tüte Deutsch –det hat mir ooch jehelft!“

Anne Clausen verschmilzt bis ins letzte Detail mit Karla von Stelzenbül, dem „letzten Überbleibsel der Monarchie“ und berichtet in einer zum Brüllen komischen, kurzweiligen, spannenden Stunde so plastisch über ihr –also Karlas- Leben, dass man am Ende glaubt, selbst dabei gewesen zu sein.

Kein Wunder: Immerhin hat sie sich das rasante, treffsicher pointenreiche und zugleich sozialkritische „Dirnenlied“ selbst auf den eigenen Leib geschrieben und von ihrem Gatten Jan-Hinnerk Arnke inszenieren lassen.

Am Ende stößt Karla auf eine Leiche, ist „elektrisiert von ihrer eigenen Schlauheit“, und ganze Welten zerbrechen vor den Augen der Zuschauer –doch zieht Karla wieder für sich das Beste heraus und verabschiedet sich guter Dinge vom vor Begeisterung rasenden Publikum.“


Frankenpost


Christine Wild

Dienstag, 23.November 2010




Titel: Das unmoralische Treiben der feinen Gesellschaft


„Die feine Berliner Gesellschaft muss sich warm anziehen, wenn Karla von Stelzenbül ihre Nase in die fiesen Machenschaften derselben steckt. Karla, das ist die Protagonistin im Eine-Frau-Stück Dirnenlied, dem Gastspiel, mit dem Anne Clausen im Kieler Theater im Werftpark überzeugte. (...) Frech ist sie, die lang gewachsene Blondine, eine Kodderschnauze wie sie berlinerischer kaum klingen könnte. Mit der Grammatik hat sie eine Art Waffenstillstand geschlossen, platziert mit polterigem Charme die mir, mich’s und sein tut’s mit unbehelligter Ausdauer konsequent fehl. (...) Startschuss für Karla, die sich mit dem einen oder anderen „Sektchen“, Martini und Co intus, mit ihrer unbestechlichen Spürnase und jeder Menge Selbstironie und Humor ins zwielichtige Berliner Nachtleben stürzt. (...) Anne Clausen schlüpft zwischen den verschiedenen Rollen hin und her, beherrscht den russisch gefärbten Akzent von Käthes Schauspielkollegin Anja ebenso wie die nölige Stimmlage des Tänzers Thomas. Mit ihrer Paradefigur Karla, die mit ihrer Schnoddrigkeit so gar nicht in die feine Gesellschaft passen will (...) begleiten wir sie in schummrige Berliner Etablissements und werden Zeuge, wie sie letztlich die feinen Herren der oberen Zehntausend demaskiert. (...)

Was will man mehr?“


Kieler Nachrichten


Karen Jahn

Dienstag, 14.Dezember 2010




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